Musik in der Pforte | Heimat im Aufbruch
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Heimat im Aufbruch

Freitag, 19. Mai 2017, 20 Uhr, Pförtnerhaus

Les Folies Françoises
Patrick Cohën-Akenine,Violine François Poly, Violoncello
Beatrice Martin, Klavier

Suite de danses

François Dieupart (1667–1740)
2ème suite en ré majeur, 1701 Ouverture, Allemande, Courante, Sarabande, Gavotte, Passepied, Gigue

Jean-Henri d’Anglebert (1628–1691) – Jean-Baptiste Lully (1632–1687)
Passacaille d’Armide, 1689

François Couperin (1668–1733)
11ème Concert en do mineur, Les Goûts Réunis 1724
Prélude, Allemande, Seconde Alleman- de, Courante, Deuxième Courante, Sarabande, Gigue lourée, Rondeau

Jean-Henri d’Anglebert – Jean-Baptiste Lully
Air d’Apollon du Triomphe de l’Amour

Jean-Ferry Rebel (1666–1747)
2ème Suite en ré mineur, 1705
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Gigue, Passacaille

Sonates italianisantes

Jean-Baptiste Senallié (1687–1730)
Sonata nona en sol mineur, Livre V, 1727 Largo, Allegro, Largo,
Aria un poco allegro

Jean-Baptiste Barrière (1707–1747)
Sonata V en la mineur,
Quatrième livre, 1740
Andante, Larghetto, Aria amoroso

Jean-Marie Leclair (1697–1764)
Sonata VIII en ré majeur,
Troisième livre, 1734
Allegro ma non troppo,
Aria gratioso, Andante, Allegro

Heimat, das kann auch heißen, sich nach einem neuen Weg zu sehnen. In der Musik lässt sich dieser Wunsch kaum besser zeigen als am Beispiel der französischen Tanzmusik des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Streng an den Formen ihrer Zeit ausgerichtet, befand sich die in Tanzsuiten organisierte höfische Instrumentalmusik auf ihrem Höhepunkt, auf den nur noch Verwandlung folgen konnte. Jean-Marie Leclair (1697–1764), der Begründer der französischen Violinschule, stieß diese an, indem er dem Tanzmeisterinstrument Geige eine virtuosere Funktion und Aufgabe zuwies. Selbst ein renommierter Tänzer, wurde der Komponist und Innovator nach einem Aufenthalt in Turin der unumstrittene Meister, der die Fusion der französischen und italienischen Stilrichtungen vorantrieb. Auf ihn ist zurückzuführen, dass am Hofe die Suite schließlich zugunsten der viersätzigen italienischen Sonate aufgegeben wurde. Nur wenige französische Musiker des 18. Jahrhunderts wurden schon zu Lebzeiten so bewundert und verehrt wie Leclair. Auch italienische und deutsche Musikgelehrte priesen seine überragende Spieltechnik als Geiger ebenso wie seine erlesene Harmonik, seinen eleganten Stil und seine kunstvolle Satztechnik. An der Musik seiner Zeit zeigt sich besonders eindrucksvoll, dass Durchlässigkeit nicht zum Verschwinden, sondern zur lebendigen Entwicklung führt und Heimat nur dort tatsächlich überleben kann, wo sie dynamisch ist und sich dem Neuen öffnet. Andreas Feuerstein