Frauengeschichten

Donnerstag, 21. Juni 2018, 19 Uhr, Pförtnerhaus
Freitag, 22. Juni 2018, 20 Uhr,  Pförtnerhaus
Samstag, 23. Juni 2018, 17 Uhr,  Frauenmuseum Hittisau

Christine Busch Violine, Elene Meipariani Violine, Klaus Christa Viola, Mathias Johansen Violoncello, Ikuma Saito Kontrabass, Akiko Shiochi Klavier, Laura Winkler Stimme

Eröffnungskonzert des Komponistinnenfestivals
Maria Bach (1896 –1978) „Wolgaquintett“ 1931
Laura Winkler (*1988) Kompositionsauftrag für Klaviersextett und Stimme 2018
Louise Farrenc (1804–1875) Klavierquintett op. 31 1839

Montag, 24. Juli 2017, 11 Uhr 13. Ich sitze im Lesesaal der Musiksammlung der österreichischen Nationalbibliothek. Vor mir liegt ein Stapel mit Kammermusik österreichischer Komponistinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts – Werke von Johanna Müller-Hermann, Frida Kern und Maria Bach, alles Namen, die mir bereits seit unserer „Langen Nacht der Komponistinnen“ vor 16 Jahren durch den Kopf geistern.

Ich hole das „Wolgaquintett“ von Maria Bach, ein Druck der Firma Doblinger aus dem Jahr 1931, aus der Kartonmappe, öffne die Klavierstimme. Meine Augen gleiten über das vergilbte Papier, Seite für Seite blättere ich durch das Werk, ich blättere wieder zurück: So mögen sich Goldgräber fühlen, denke ich in diesem Augenblick, ein Gefühl der Erregung macht sich in mir breit: Das ist ein wahrer Fund! Was ich sehe, sieht aufregend aus. Musik, die sich durch eine empfundene Klanglichkeit auszeichnet. Exotisch, eigenwillig und irgendwie bezaubernd. Ich erinnere mich an die Träume meiner Kindheit, einmal wirklich einen Schatz auszugraben.

Was ich auf dem vergilbten Papier innerlich erfasse, klingt – und es klingt empfindsam und so anders, dass ich mich gleich wieder zutiefst verunsichert fühle. Eine Mischung aus fiebriger Erregung und Nervosität treibt mich durch das Stück. Ich hole mein Handy heraus, um zu fotografieren. Ich möchte das Werk unbedingt jemandem zeigen, um eine zweite Meinung einzuholen. So hebe ich den Schatz. Sollte sich der Verdacht, eine herrliche Komposition ausgegraben zu haben, erhärten, werde ich die Rechtsnachfolge abklären und mir eine Kopiererlaubnis besorgen. Vor meinem geistigen Auge erscheint das geheimnisvolle, träumerische Gesicht von Maria Bach, ein offenes Gesicht, das trotzdem so schwer zu lesen ist. Und diese so eigenwillige, zarte und zugleich wilde Klanglichkeit verbindet sich mit dem schönen Gesicht und dem träumenden Blick.

Ich schreibe sofort meiner Kollegin Akiko Shiochi, die in Japan weilt, und weil ich es nicht erwarten kann, bis sie wieder nach Österreich zurückkehrt, schicke ich ihr die abfotografierte Partitur per WhatsApp und bitte sie um ihre Meinung. „Großartige Musik“, höre ich Akikos Stimme ins Telefon sagen. „Ich bin begeistert.“

Diese Geschichte werden wir mit unseren Instrumenten im Eröffnungskonzert des Frauengeschichten-Festivals 2018 zu Ende erzählen …

Klaus Christa