Liebe auf den ersten Ton

Jubiläumskonzert zum 20. Geburtstag von Musik in der Pforte

Donnerstag, 29. November 2018, 19 Uhr, Pförtnerhaus
Freitag, 30. November 2018, 20 Uhr,  Pförtnerhaus
Samstag, 1. Dezember 2018, 17 Uhr,  Frauenmuseum Hittisau

Berit Cardas Violine, Christel Lee Violine, Klaus Christa Viola, Julia Rebekka Adler Viola, Bjorg Vaernes Lewis Violoncello, Mathias Johansen Violoncello

Franz Schubert (1797 – 1828) Streichquartett D.804 in a-moll
Ludwig van Beethoven (1770–1827) Streichtrio op.9/3 in c-moll
Antonin Dvorak (1841–1904) Streichsextett op. 48 in A-Dur
Joseph Lanner (1801–1843) „Die Mozartisten“ Walzer op. 196 u. a.

Zwischen den Fehlern bin ich unheimlich gut gefahren – Bode Miller.

Dieses markante Zitat von Bode Miller kommt mir in den Sinn, wenn ich an die letzten zwei Jahrzehnte Musik in der Pforte zurückdenke – und ich bin versucht, festzustellen, dass es uns ähnlich ergangen ist wie Bode Miller: Wir haben immer wieder etwas riskiert, da war immer die Lust, neue Wege zu gehen und neue Formate zu entdecken. Und es ist uns immer wieder gelungen, „das ganze Gewicht auf den Ski zu bringen und um die Kurve zu fahren“, was notwendig war, wenn sich ein neuer Weg als Sackgasse entpuppt hatte.

In den schönsten und in den schwersten Momenten dieser zwei Jahrzehnte war es diese besondere Beziehung zum Pforte-Publikum, die uns beflügelte und inspirierte und uns letztendlich weitermachen ließ, wenn die Probleme gar zu groß erschienen.

Mit einem Schmunzeln erinnere ich mich an nächtelange Besprechungen in einem kleinen Zimmer meiner damaligen Wohnung – unzählige gerauchte Zigaretten hatten sich in dichten Nebel verwandelt, während wir, Thomas Engel und ich, unsere Pläne wälzten und unsere Visionen gebaren, eingehüllt in dichten Rauch.

Wir wollten ein Kammermusik-Abonnement auf die Beine stellen, aber eben nicht nur FÜR ein Publikum sondern MIT einem Publikum. Zu unbefriedigend erlebten wir unsere Konzerte bis dahin: der letzte Ton verklingt, Applaus folgt und dann geht es einsam in die Nacht. Wir waren der Überzeugung, dass aus dem Miteinander von Komponisten, Interpreten und Zuhörern etwas Neues entsteht, das eben nur in genau diesem Miteinander möglich war und ist. Was uns auch störte, war die Hierarchie zwischen Musikern und Hörern – wir wollten das, was wir liebten und lieben, mit Menschen teilen und uns nicht „vor dem Publikum produzieren“– das klingt schaurig, oder?

Wir wollten einen wirklichen Kontakt mit unseren Hörern aufbauen, wir wollten mit ihnen ins Gespräch kommen und uns darüber austauschen, was wir gemeinsam mit unserem Publikum erlebt hatten. Die Tatsache, dass ein „ghöriger“ Vorarlberger nach einem Konzert meistens gleich nach Hause geht, ermutigte uns auch dazu, möglichst viele Hörer dazu zu verführen, den Abend feierlich ausklingen zu lassen.

Und wir waren immer der Überzeugung, dass der Weg, den Kosmos der Kammermusik einem großen Publikum zu vermitteln, nicht über Anbiederung führt, wir waren der Meinung, dass so etwas Komplexes wie die menschliche Seele einer komplexen Musik bedarf, um mit sich zurechtzukommen. In einer Zeit, wo es oft darum geht, alles so einfach wie möglich zu sagen, wollten wir die Botschaft senden: Wenn etwas so komplex ist, wie die menschliche Seele, dann kann man es eben nur komplex ausdrücken! Punkt.

Nie vergesse ich den Moment, als Sofia Gubaidulina sorgenvoll zu mir sagte: „Ein Festival nur mit meiner Musik, das geht doch nicht, die Leute werden dich schimpfen“. Das Pforte-Publikum entkräftete ihre Befürchtungen mit vier ausverkauften Konzerten – Sofia Gubaidulina teilte mit mir auch noch einen anderen Gedanken, der für mich auch eine wunderbare Erklärung bot, warum unsere Konzerte immer wieder so beglückend gelangen: „Das Publikum erschafft das Konzert mit uns gemeinsam“, meinte sie, „wie sie lauschen, das beeinflusst das Konzert ebenso.“

Als wir am 29. März 1999 zum ersten Mal die Pforten öffneten, waren wir erfreut und überrascht von dem überwältigenden Publikumsinteresse. Lebhaft erinnere ich mich an den völlig überfüllten Saal und an das letzte Stück dieses Konzerts, das Streichquartett in a-moll von Franz Schubert. Ich erinnere mich an diese lauschende Spannung, die von unserem Publikum ausging.

Wir möchten im offiziellen Geburtstagskonzertzu unseren Wurzeln zurückkehren und uns an diesesallererste Pforte-Konzert erinnern. Den offiziellen Teildieses Jubiläumskonzertes beschliessen wir mit jenenWerken, mit denen wir das letzte Konzert der erstenSaison „Tafelmusik und Kehraus“ beschlossen haben – mit Walzern von Joseph Lanner und Johann Strauss Vater.

Klaus Christa