Meine Seele hört im Sehen

Donnerstag, 17. Mai 2018, 19 Uhr, Pförtnerhaus
Freitag, 18. Mai 2018, 20 Uhr, Pförtnerhaus

Miriam Feuersinger Sopran, Cosimo Stawiarski Violine, Johannes Hämmerle Cembalo, Kaspar Singer Violoncello

Georg Friedrich Händel (1685–1759) Neun deutsche Arien

1 Künftger Zeiten eitler Kummer
2 Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen
3 Süßer Blumen Ambraflocken
4 Süße Stille
5 Singe, Seele, Gott zum Preise
6 Meine Seele hört im Sehen
7 Die ihr aus dunklen Grüften den eitlen Mammon grabt
8 In den angenehmen Büschen
9 Flammende Rose, Zierde der Erden

Die Gedichte von Barthold Heinrich Brockes, die Georg Friedrich Händel in den „Neun Deutschen Arien“ vertonte, zeugen von der Ergriffenheit des Dichters der frühen Aufklärung bei der Betrachtung unserer Welt. Seine Texte lassen uns ahnen, dass lebendige Spiritualität aus einem wirklichen Erleben gespeist wird.

Meine Seele hört im Sehen
Meine Seele hört im Sehen.
Wie, den Schöpfer zu erhöhen,
Alles jauchzet, alles lacht.
Höret nur,
Des erblühenden Frühlings Pracht
Ist die Sprache der Natur,
die uns deutlich durchs Gesicht,
Allenthalben mit uns spricht.

Wir spüren, hier singt ein Berührter, ein Begeisterter. Und wir können ahnen, wie der Dichter zu seinen Bildern findet: Wir haben es schon einmal erlebt, vielleicht auf einem Berggipfel, in einem schönen Garten, auf einer herrlichen Waldlichtung – dieses begeisterte Glück: „Meine Seele hört im Sehen – alles jauchzet, alles lacht.“ Im Angesicht der überbordenden Fülle an Geschenken der Natur bleiben wir Menschen oft mit einem Gefühl der Ergriffenheit und des Staunens zurück.

Unweigerlich kommen uns auch die Worteeines anderen Begeisterten in den Sinn. Wie schrieb Ralph Waldo Emerson so treffend: „Es gibt Tage, an denen die Natur ihre Kinder mit besonderer Zärtlichkeit umfasst, Tage, an denen jedes Wesen die Züge der Zufriedenheit trägt und jede schlafende Katze große und friedvolle Gedanken zu haben scheint. Sie machen den Eindruck von Endlosigkeit. Sie schlummern über den weiten Hügeln und den warmen, weiten Feldern. Wer alle Sonnenstunden eines solchen Tages durchlebt hat, der hat lange genug gelebt. Die einsamen Plätze sind nicht mehr einsam. Am Waldrain merkt der Mann der großen Welt mit Erstaunen, dass seine Stadtwerte von Groß und Klein, Weise und Töricht versagen; Erhat einen Rucksack voll Sitten und Gebräuchen mitgebracht, aber er fühlt ihn beim ersten Schritt, den er in diesem Bezirk tut, von seinen Schultern gleiten. Hierist eine Heiligkeit, die unsere Religionen beschämt, und eine Lebenskraft, die unsere Helden entthront.“

Und hier schließt sich der Kreis zu Buber. Wenn unser Ich auf die Natur trifft, die dieses Du sein kann, dem wir uns staunend anvertrauen, dann entstehen bezaubernde Gedichte und daraus wieder hinreißende Arien. Und wenn wir diesen Arien lauschen, dann spüren wir etwas von dieser wahrhaftigen Begegnung, die dem Kunstwerk vorausging.

Händel lässt uns in diesen neun Arien einen großen Gegensatz erleben: Zum einen sind da die Üppigkeit und die Vielfalt der Natur, zum anderen aber auch eine berückende Klarheit. Einerseits die ver- spielte und leichte Instrumentalstimme, andererseits eine Schlichtheit, die sich vor allem im innigen Gesang ausdrückt. Und die Intimität der Form, das einfache Lied mit Begleitung, erweckt fast den Eindruck, als hätte der Komponist die Arien nicht für ein Publikum geschrieben, sondern als wären sie Ausdruck eines persönlichen, spirituellen Erlebens.

Martina Natter & Klaus Christa

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